Indien 2026
Eine Einmal-im-Leben-Reise nach Indien
Schon vor mehr als einem Jahr begannen die Gedanken an eine Reise ins Herz der Hindu-Kultur. Das war auch gut so, denn es bedurfte diesmal wirklich einiger Vorbereitungen. Die Suche nach einem geeigneten Reiseveranstalter war der einfache Teil. Flug und Visum musste selbst organisiert werden. Spannend war das unerläßliche Visum. Außer nach den Geburtsorten der Eltern wurde die Frage nach den besuchten Ländern in der letzten 10 Jahren gestellt. Das hat Arbeit gemacht. Während der Tortur durch die vielen Seiten des Formulars brach laufend die Verbindung ab. Als nach dem Zahlvorgang eine Woche vergangen war, wurde ich doch unsicher. Normalerweise dauert sowas 2 Tage meinte die KI. Ohne Visum wäre eine Reise nach Indien nicht möglich gewesen. Und der Reisepreis war auch längst überwiesen. Zu meiner größten Erleichterung kam das Visum doch noch rechtzeitig.
Der Koffer
Diesmal gingen die Überraschungen zeitig los. Nach einem hervorragenden Flug und sehr gutem Essen mit einer brandneuen Maschine der Lufthansa wurden die Reiseteilnehmer wie immer am Zielflughafen abgeholt.
Die Reisegruppe bestand aus zwei Teilnehmern. Einer jungen, blonden Dame und ich. Die große Überraschung aber war ihr Koffer. Ein kleines, pinkes Köfferchen, das man leicht im Handgepäck hätte mitnehmen können. Ich hätte geschworen, dass diese kleine, pinke Etwas ein Beauty-Case ist. Das hätte gut zusammen gepasst, weil die Dame sowohl als Yaga-Trainerin als auch gelegentlich als Model arbeitet. Aber nein - das war ihr Hauptgepäck. Nur ein kleiner Rucksack für das Nötigste kam noch als Handgepäck dazu.
Noch nie hatte jemand weniger Gepäck als ich mit meinem spartanischen 6 bis 7 kg schweren Koffer. Meist schleppen die Mitreisenden weit über 20 kg für zwei Wochen mit.
Der erste Guide
Wie so oft erfährt man in den ersten Tagen viele wichtige Informationen über Land und Leute. Der Zufall wollte es aber, dass unser Reiseleiter in Delhi selbst täglich Yoga betreibt und genau die Einstellung zum Leben hat, die meine hübsche Reisebegleitung nach Indien geführt hat. Das passte hervorragend und unsere Besichtigungstour bekam gleich eine sehr spezielle Richtung.
Tempel mit Speiseversorgung
Schon während der Anreise zum großen Sikh-Tempel wurde uns viel über die Geschichte von Indien berichtet. Die Gemeinschaft der Sikh spielt dabei eine besondere Rolle. Der Guide meinte, diese Menschen haben es sich zur Aufgabe gemacht, jedem bedürftigen Menschen zu helfen. Früher dienten sie als Krieger, heute gibt es Sikh in allen Schichten der Bevölkerung.
Ohne Schuhe durften wir den überaus beeindruckenden Tempel besuchen. Danach ging es gleich in Strümpfen weiter in eine benachbarte große Halle. Dort saßen viele Menschen in Reihen auf ausgerollten einfachen Teppichen im Schneidersitz und aßen. Hier werden jeden Tag tausende Menschen mit einer kostenlosen, warmen, vegetarischen Mahlzeit versorgt. Das besondere sind die vielen Helfer, die ohne Ansehen des sozialen Status den Gästen dienten. Und das nicht nur beim Ausreichen der Speisen, sondern mehr noch beim Zubereiten. Natürlich arbeiten die Helfer ohne Lohn.
Zu meiner größten Verwunderung führte uns der Guide in die Großküche hinter dem Speisesaal. Besucher waren für die Helfer in der Küche offenbar die normalste Sache der Welt. Man durfte fotografieren und selbst das war für die fleißigen Helfer eine Ehre. Am Ende wurden wir bei der Hitze noch als Bedürftige entlarvt und mit einem erfrischenden Getränk beglückt.
Selbst im Lagerraum durften wir herumlaufen und die Lebensmittelspenden bestaunen. Jeder spendet dem Tempel was er kann. Reiche Geschäftsleute bringen Paletten mit Linsen oder Reis, andere legen einen kleinen 500 g-Beutel in einen Sammelbehälter.
All diese Menschen verbessern mit ihren guten Taten ihr Karma und tun ihrer Seele etwas Gutes.
Krankenversicherung
Der indische Staat unterstützt seine Menschen. Jeder Bürger ist vom ersten Tag an krankenversichert. Möchte man sich besondere Leistungen sichern, kann man eine private Krankenversicherung abschließen. Die ärztliche Versorgung ist sehr gut. In Delhi haben wir in der Nähe unseres Hotels bestimmt 10 Zahnärzte gesehen.
Militär
Es gibt keine Wehrpflicht. Wenn Angestellte gesucht werden, dann bewerben sich sehr viele Männer und Frauen. Es folgt aber eine strenge Auswahl.
Verkehr
Wer Indien das erste Mal besucht, der wird sicher von dem lauten Chaos auf den Straßen abgeschreckt. Dieses scheinbare Durcheinander funktioniert hier tadellos. Man nimmt hier Rücksicht aufeinander. Ich habe nicht einen Verkehrsteilnehmer mit grimmigem Gesicht gesehen. Selbst wenn ein Moped sehr flott durch eine winzige Lücke schießt, ist das ganz normal und man gönnt dem Sieger im Straßenverkehr seinen Erfolg. Natürlich sieht man auch mal ramponierte Autos.
Großen Respekt habe ich vor den Rikscha Fahrern. Wir Leichtgewichte wurden bei über 40 °C in Delhi durch engste Gassen und auch steil bergauf kutschiert. Das hat den Fahrer mit seiner Rikscha ohne E-Antrieb und ohne Gangschaltung sehr ins Schwitzen gebracht.
Fremdherrschaft
Unser geschichtlich gebildeter Guide in Delhi antwortete uns ehrlich auf alle Fragen. Über die Zeit der Herrschaft der islamischen Moguln berichtete er schaurige Geschichten. Mehrere unserer Reiseleiter berichteten uns über das brutale Vorgehen dieser Herrscherdynastien. Einer berichtete, dass in einer Stadt alle Bürgen in einer Reihe stehen mussten und allen die Frage gestellt wurde, ob sie sofort zum Islam konvertieren. Das hat zehntausende Opfer gefordert. Am Ende gab es lt. Überlieferung einen riesigen Berg aus abgeschlagenen Köpfen. Er nannte diese Zeit eine extrem brutale Periode der indischen Geschichte. Die Zeit der Besatzung durch die Engländer war lt. Aussagen der Reiseleiter nicht viel besser. Ein wirtschaftlich blühendes Land wurde gnadenlos ausgepresst. Das wurde mir vor Jahren auf den Reisen durch Afrika auch oft so geschildert.
Schule
Auffällig sind die vielen Kinder in den Straßen, die doch vormittags eigentlich in der Schule sein sollten. Es gibt zwar eine Schulpflicht, die wird aber nicht durchgesetzt. Schlimm ist das für die Kinder, die in den organisierten Bettler-Banden arbeiten müssen. Uns wurde beschrieben, dass man gezielt kleine Kinder betteln schickt, weil deren Erfolgschancen wesentlich größer sind. Die Kinder sind so geschult, dass besonders Frauen gezielt angebettelt werden. Das erlebten wir oft zu Fuß unterwegs oder an Ampelkreuzungen im Auto sitzend. Ob diese Kinder ohne Bildung jemals ihrer Welt entfliehen können?
Hochzeit
Die Tradition der Eheschließung in Indien ist besonders. Dieses Thema verlangt Toleranz gegenüber der indischen Tradition. Die Hochzeit wird hierzulande sehr groß gefeiert. Es gibt eine Unmenge an Läden, in denen man Kleidung für eine Hochzeit kaufen kann - richtig schön und richtig teuer.
Uns wurde mehrfach berichtet, dass ca. 60% der Ehen von den Eltern arrangiert werden. Scheidungen sind zwar möglich, aus finanziellen Gründen aber sehr selten. Hochzeiten werden hier traditionell mit mehreren hundert Gäste gefeiert. Die Veranstaltung zieht sich über eine Woche hin. Die Kosten belaufen sich leicht auf ein Jahresgehalt. Die Eltern bezahlen das Fest. Frauen dürfen mit 18 heiraten, Männer erst ab 21.
Auch wenn das Paar sich ohne Unterstützung der Eltern findet, bedarf es für eine Hochzeit doch der Zustimmung der Eltern. Einer der Guides berichtete uns, dass sich die Ehepaare vor der Hochzeit verbindlich darüber verständigen müssen, ob die Frau nach der Hochzeit einer Arbeit nachgehen darf. Fast immer zieht hier die Frau ins Haus des Mannes.
Auf der einen Seite sind die Frauen dann versorgt aber ebenso abhängig und haben keine Chance, aus dieser Situation auszubrechen. Bricht die Frau ihr Versprechen gegenüber ihrer Familie und gegenüber der Familie ihres Mannes ist sie völlig isoliert und auf sich gestellt. Das ist in der durch Kasten und Unterkasten geprägten Gesellschaft praktisch der Untergang.
Uns wurde berichtet, dass die jungen Menschen in einer arrangierten Ehe nur einen Tag haben, um sich oberflächlich kennenzulernen. Dann wird über die Hochzeit entschieden.
Offenbar ist diese Tradition letztlich aber erfolgreich. In Deutschland werden statistisch 50 % der Ehen geschieden. Wenn ich mir die Gesichter der Frauen betrachtet habe, war sehr oft Zufriedenheit und Selbstbewußtsein zu sehen. Besonders froh und glücklich scheinen die Frauen zu sein, die in Gruppen mit Gleichgesinnten Zeit verbringen. Das sieht man im Tempel beim Beten und beim ausgelassenen Tanzen.
Gassen
Zu Fuß unterwegs haben wir die kleinen Gassen in Delhi intensiv erlebt. Das auffällige Kabelgewirr zwischen den Häusern und die heiligen Kühe sind ein Erlebnis. Besonders intensiv war aber eine Gasse, in der Gewürze in großen Mengen verkauft wurden. Ganze Säcke voller Pfeffer, Kardamom und Chili schufen eine sehr intensiv duftende Welt. Dazu die Datteln, Nüsse, Mandeln und Cashew-Kerne in einer hervorragenden Qualität. Dieses Schlaraffenland habe ich sehr genossen. Bis heute haben sich in den schmalen Gassen die Transportmittel aus der alten Zeit erhalten. Meist kommt ein Tuk-Tuk gut durch, die sehr alten Sackkarren und einachsige Handwagen sind aber allgegenwärtig und nicht zu ersetzen. An den Eingängen dieser Handelsbereiche findet man auch Tagelöhner, die alle möglichen Dienste anbieten. Nicht nur Transportarbeiter findet man hier, auch Tischler, Maurer, Klempner usw.
Hindu-Tempel in Vrindavan
Die Erlebnisse in der Stadt Vrindavan sind schwer zu beschreiben. Hier dreht sich alles um den Gott Krishna. Untergebracht waren wir für eine Nacht in einem Ashram, einem religiösen Ort für Pilger. Man gab uns die Möglichkeit, zuerst die Räume zu sehen und selbst zu entscheiden, ob wir mit dem sehr spartanischen Niveau einverstanden sind. Vergleichbar war das Haus mit dem Niveau einer einfachen Jugendherberge. Hier gibt es einfache Zimmer zum Übernaschten für Pilger, Gebetsräume und eine kostenlose Speiseversorgung. Wenn wir nicht zugestimmt hätten, wären wir noch bis Agra weitergefahren.
Wir wurden aber mit Erlebnissen der besonderen Art belohnt.
Im Plan standen drei Hindu-Tempel. Der erste Tempel öffnet nur zu bestimmten Zeiten. Entsprechend hoch ist der Andrang. Wir mußten schon auf dem Weg dorthin unsere Schuhe deponieren. Im Tempel sind Schuhe nie erlaubt. Die Menschenmasse stand eine halbe Stunde mehr als dichtgedrängt. Als der Tempel geöffnet wurde, begannen die Massen zu singen und Krishna zu feiern. Die Lebensfreude äußerte sich in begeisterten, sehr lauten Gesängen. Jetzt preßten sich auch die Menschen mit einem dichten Körperkontakt sehr langsam weiter durch die Gassen. Platzangst durfte man hier nicht haben. Die Arme dicht am Körper wurden wir bestimmt eine Dreiviertelstunde durch die Gassen geschoben. Es gab keine Chance, den Hinterlassenschaften der Kühe und der Hunde zu entgehen. Bei engstem Körperkontakt sah man ab zu auf der Zielgeraden die Statue von Krishna auf einer großen Videowand. Regelmäßig wurde ein Vorhang vor die Statue geschlossen und etwas später wieder geöffnet. Jedesmal gab es einen lauten Aufschrei in der Masse. Die Menschen sangen wie aus einem Munde im Chor miteinander so laut sie konnten. Dabei wurde gelacht und jeder wurde freundlich angesehen. Manche waren fast extatisch und alles ohne Alkohol und Drogen in einer absolut friedlichen, überaus rücksichtsvollen und überbordend lebensfrohen Atmosphäre.
Von diesem zutiefst spirituellen Ort ging es dann in Strümpfen zurück zu unseren Schuhen und weiter zu einem weiteren besonderen Tempel. Hier feiern die Krishna-Jünger rund um die Uhr mit Musik und Tanz. Die Musikgruppen wechseln und geben immer Vollgas. Genauso leidenschaftlich tanzen abwechseln die Frauen oder die Männer. Meine Reisebegleiterin hat sich auf den Tanzboden hingezogen gefühlt und wurde von den einheimischen Damen sofort begeistert in den Tanz integriert. Mit Ihrer indischen Kleidung passte sie hervorragend in die Gruppe. Das entwickelte sich für alle Beteiligten zu einem unvergesslichen Erlebnis. Das war Völkerverständigung in reinster und schönster Form. Vielen haben das besondere Treiben fotografiert und gefilmt.
Nach einer Stunde ausgelassen Zusammenseins fuhren wir mit einem der vielen kleinen Elektromobile zu einem letzten Tempel in diesem Ort. Der wurde farbig angestrahlt und erinnerte mich etwas ans Disneyland. Besucher aller Altersgruppen hatten dort Freude. Man stellt dort das Leben von Krishna mit Figuren und Bildern nach. Jeder Besucher erhielt am Ausgang ein Gastgeschenk.
In diese religiöse Stadt kommen nicht viele Touristen. Das war ein für uns speziell ausgewählter Programmpunkt. Mit einer Reisegruppe ist ein solches Programm schlicht nicht machbar. Wir hatten schon mit drei Personen Probleme zusammenzubleiben. Allein ist man dort völlig verloren. Selbst der Reiseleiter hat auf dem Heimweg ab und zu nach dem Weg gefragt.
Die blonde Dame aus unserer Reisegruppe in traditionell indischer Bekleidung hat ganz viele Menschen glücklich gemacht an diesem unvergeßlichen Abend. Viele Mädchen und Frauen baten um ein Foto mit der weißen Frau aus der fremden Welt. Die Männer staunten aus respektvoller Entfernung. Eine ältere Dame mußte dieses besondere Wesen auch anfassen, um zu prüfen, ob es wirklich echt ist. Auch ein kleines Kind faßte im Vorbeigehen in die blonden Haare. Das zauberte allen Anwesenden ein freundliches Lächeln ins Gesicht.
Der Guide hat uns erklärt, dass die Menschen hier deshalb so verrückt nach ihr sind, weil ihre Gesichtsform und ihre Augen exakt dem Muster entsprechen, nach dem die Bildnisse der Götter gefertigt werden. Mit der indischen Kurta war dann das Erscheinungsbild perfekt.
Kluge Affen
Die Affen waren uns schon in den Gassen von Vrindavan aufgefallen. Ein unvorsichtiger Tourist hatte seine Brille eingebüßt und der Affe schaute scheinbar verächtlich auf ihn nieder. Wir erfuhren, dass die Affen in Klans leben und strategisch auf die Jagd gehen. Gestohlen werden nur normale Brillen, keine Sonnenbrillen. Für eine wichtige Brille geben die Touristen viel mehr. Das wissen die Affen. Geschäftstüchtige Händler verkaufen dem bestohlenen Touristen Produkte, die für einen Tausch gegen die Brille von den Affen akzeptiert gern werden. Dabei entscheidet der Affe, ob er dem Tauschhandel zustimmt. Das Produkt muß er akzeptieren und auch die Farbe muß stimmen. Aber das ist noch kein Garant dafür, dass der Affe die Brille zurückgibt. Manchmal geben diese klugen Strategen die Brille an den nächsten Affen im Klan weiter und die Verhandlungen beginnen wieder neu.
Scheinheilige
Beim Besuch eines Tempels begegneten wir auf dem Rückweg einem Mann, der sich wie ein heiliger Mann geschminkt hatte. Als er uns gegen eine kleine Summe anbot Bilder zu machen, klärte uns der Guide auf. Der Unterschied zwischen einem Heiligen und einem Scheinheiligen ist die Frage nach dem Geld. Der Heilige wird das nie verlangen, weil er den irdischen Versuchungen schon sehr lange entsagt hat.
Ratten
In Gwalior lebte ein Maharaja. In dessen Residenz ist jetzt ein Hotel eingerichtet. Wir verbrachten dort eine Nacht. Abends verspeisten wir im Park der Anlage sitzend hervorragendes Obst. Draußen tobten die Menschen ausgelassen bei einer Hochzeitsfeier.
Mitten in der Stadt leben unzählige Ratten in einem Garten, der von den Bauten der Ratten durchzogen ist. Tauben und Ratten fressen von einem großen Blech mit Futter. Abends gehen die geselligen Tierchen dann auf Tour und besuchen die umliegenden Grundstücke. Man verehrt die Ratten aus religiösen Gründen. Der Guide berichtete uns, dass es in Indien einen Tempel gibt, der den Ratten gewidmet ist und wo die Menschen die Ratten mit allerlei Leckereien füttern. Sind die Ratten satt, verputzen die besonders religiösen Menschen dann die Essensreste der Ratten. Beim Bericht über diese Praktiken hat der Guide keine Miene verzogen. Das ist hier nichts Unangenehmes.
Er trinkt auch das heilige Wasser des Ganges in Varanasi. Dieses besondere Getränk enthält ungeklärtes Abwasser, die Asche der verbrannten Menschen und Reaktionsprodukte verwesender Körper. Mutige Menschen diese Inder. Wir haben selbst zum Zähneputzen Wasser aus Flaschen verwendet.
Er möchte auch in Varanasi verbrannt werden, um dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburt zu entgehen. Hmm - für uns alles harter Tobak.
Und, von wegen alle Hindus sind tief gläubig, essen kein Fleisch und verabscheuen Drogen. Gleich neben der Rattenzucht habe ich im Vorbeifahren aus dem Tuk-Tuk gutgelaunte Menschen gesehen, die sich brüderlich einen Taschenwärmer mit Schnaps geteilt haben. Bei den Kühen unterscheidet man auch zwischen heiligen Kühen und essbaren Exemplaren. In großen Anlagen wird auch Rindfleisch für den Export produziert.
Einer unser Reiseführer hat uns die für ihn sehr blamable Geschichte seines ersten und letzten Kontaktes mit Kanabis berichtet. Obwohl ihn seine Mama gewarnt hatte, konnte er als Jugendlicher der Versuchung nicht widerstehen. Er hat an den Tag keine Erinnerung mehr. Sein wissenschaftliches Experiment versetzte ihn in eine Sphäre, während der er über Stunden nackt auf dem Flachdach seines Elternhauses getanzt hat. Den Zugang hatte er verschlossen. Nachbarn befreiten ihn dann und brachten ihn seiner Mama wieder. Die war wohl nicht sehr erfreut. Mittlerweile lacht er über seine Jugendsünden.
Der Lebensretter
Einen Teil der Strecke waren wir nur mit Fahrer unterwegs. Zur Besichtigung einer Festung bot uns ein einheimischer Angestellter am Eingang seine Hilfe an.
Dass er nur Hindi sprach schien zuerst ein Problem zu werden. Mit Händen und eindringlicher Mimik klappte die Verständigung ganz gut.
Gleich hinter dem Eingang wollten wir in einen Bereich abbiegen. Das hat er zum Glück sofort unterbunden. Dort hatten große "Killerwespen" ein Nest gebaut. Die hatten wir zwar bemerkt, aber nicht ernst genommen. Das hätte sehr schief gehen können, wenn unser Lebensretter hat uns nicht mit überzeugender Gestik gewarnt hätte.
Letztlich wurde diese besondere Führung eine überaus lustige Veranstaltung. Natürlich hat die mitreisende Dame wieder Fotos zugestimmt und einen neuen Fan gewonnen.
Tempelzeremonie in Khajuraho
Der sehr alte Hindu-Tempel hier bot uns eine ganz besondere Erfahrung. Unser lokaler Guide nahm uns mit in den Tempel, den er jeden Abend besucht. Nachdem wir ziemlich viele Stufen erklommen hatten, fanden wir uns in einem kleinen, runden Raum direkt unter der Kuppel des Tempels wieder. Um den heiligen Lingam herum musizierten vielleicht 10 Menschen sehr laut und sehr leidenschaftlich. Die vielleicht 4 bis 5 Dutzend Teilnehmer sangen ca. 20 min mit größter Freude und Hingabe und dabei noch sehr gut. In diesem kleinen Raum waren die Energie und die Kraft förmlich greifbar. Nach einigen religiösen Gesten verließen alle den Ort fröhlich und irgendwie erleichtert. Das hat uns sehr beeindruckt.
Begegnung mit bekannten Gesichtern im Tempel
In Vrindavan hatte meine Reisebegleiterin der Einladung zum Tanz im Krishna-Tempel nicht widerstehen können. Tage später und 500 km entfernt besuchten wir wieder einen Hindu-Tempel mit einer abendlichen Zeremonie. Eine bestens gelaunte Gruppe junger Männer umringte uns plötzlich. Einer der Teilnehmer zeige der jungen blonden Dame ein Video, dass er beim Tanzvergnügen in Vrindavan gedreht hatte. Die Jungs waren hellauf begeistert. Keiner hätte sich träumen lassen, die junge Dame jemals wieder zu sehen. Natürlich nutzen die jungen Männer die Chance auf Fotos. So wuchs die Fangemeinde immer weiter.
Gemüsemarkt
Der Besuch auf einem Gemüsemarkt entwickelte sich völlig unerwartet zum Erlebnis. Ein Gewitterregen konnte die Verkäufer und Besucher nicht abschrecken - die Kühe erst recht nicht. Durchnäßt ging das Treiben unbeirrt weiter. Was für zähe Menschen diese Inder doch sind.
Schwierig wurde es diesmal mit den heiligen Kühen. Die hatten ebenso wie die Kunden Interesse am Gemüse und fühlen sich wie im Schlaraffenland. Die Verkäufer scheuchten die ungebetenen Gäste mit lautem Geschrei davon. Die Kühe und vor allem die Bullen nahmen das aber ab und zu übel. Unser Guide hat uns mehrfach vor den schlechtgelaunten Tieren geschützt. Ein Bulle war so geschickt, dass er im Laufen in die Tomaten einen Händler biß und ohne zu stoppen weiterlief. Wenn er nicht eine Tomate aus dem Maul verloren hätte, wäre die Show perfekt gewesen.
NGO
Wir sahen eine technisch hervorragend gemachte Laser- und Sound-Show zur Geschichte der Tempelanlage. Im Kreis der kleinen Besuchermenge war eine einzelne blonde Frau mit blumigem Haarband. Im Restaurant trafen wir diese Dame wieder. Der Besitzer des Restaurants war auch der Gastgeber, in dessen Haus wir übernachteten. Er kannte die Dame und machte uns kurz bekannt. Die Dame stammte ursprünglich aus Köln. Sie berichtete uns darüber, dass sie in ihrer Familie das 5. Rad am Wagen war und von den Eltern keine Zuneigung bekommen hat. In der überaus vermögenden Familie waren nur die beiden Söhne wichtig. Sie berichtete uns, dass sie deshalb die erste Chance genutzt hat, diese lieblose Welt zu verlassen. Nach einer gescheiterten Ehe wanderte sie dann nach Spanien aus. Ein Urlaub in Indien veränderte dann ihr Leben. Sie gründete eine eigene Gesellschaft mit dem Ziel, Waisenkindern in Indien zu helfen. Sie recherchierte zusammen mit einer befreundeten Journalistin und es entstand ein Buch über die hiesigen Probleme der Kinder. Was sie über die Stellung der Frauen in Indien und über die Abtreibungspraktiken herausfand war schockierend. Ärzte bieten eine schnelle Abtreibung schon zu einem Preis von umgerechnet 10 € an. Ihr wurden ernsthaft von einer 6-fachen indischen Mutter drei der Kinder zur Übernahme angeboten. Man möchte das kaum glauben. Nachdem wir aber auf Baustellen Kinder von vielleicht 10 Jahren in größter Hitze bei der Arbeit sehen mussten, wurde die Geschichte glaubhafter. Die Kinder übernachten auch mit den Erwachsenen zusammen auf den Baustellen und begnügen sich mit einer Decke als Nachtlager.
Autobahn
Die Strassen in Indien sind ein Erlebnis. Kühe sind allgegenwärtig. Nur einmal sahen wir eine tote Kuh bei weit über 40°C auf der Autobahn liegen.
Die vorgeschriebene Fahrtrichtung wird nicht so ernst genommen. Das machen alle so und gehen damit gelassen um. Da sind viele Mopeds, Tranktoren, Autos und Busse unterwegs. Gerne auch mal in der falschen Richtung. An einem steilen Berg mit engen Kurven waren in Richtung bergab Schikanen eingebaut. Vier vielleicht 10 cm hohe Erhöhungen direkt hintereinander waren selbst für Traktoren Grund genug für halbe Schrittgeschwindigkeit. Ein LKW war direkt hinter eine solchen Schikane mit Achsenbruch liegengeblieben. Ein zweiter LKW stoppte direkt daneben und blockierte damit die ganze Spur. Nach kurzer Zeit staute sich der Verkehr. Das Hupkonzert beeindruckte die beiden LKW-Fahrer nicht im Geringsten. Auch lautes Geschrei aus den Autos bewegte nichts. Erst als genervte Fahrer ausstiegen und wild gestikulierten setzte sich der fahrbereite LKW wieder in Gang. Kein alltägliches Schauspiel.
Varanasi
Die Pilgerstätte Varanasi ist für die Hindus ein sehr wichtiger Ort. Sie möchten gern einmal im Leben hiergewesen sein und nach Möglichkeit auch hier verbrannt werden. Verbrennungen sind aber nur möglich, wenn die Toten unweit von Varanasi sterben. Ein Transport von gekühlten Leichen gibt es nicht. Oft kommen Menschen zum Sterben hier her. Es ist auch möglich, die Asche von Verstorbenen hierher zu bringen und dem Ganges anzuvertrauen.
Die Asche wird nach der Verbrennung von den für die Verbrennung zuständigen Männern der untersten Kaste dem Fluss übergeben.
Wer sich die teure Verbrennung nicht leisten kann, lässt den Verstorbenen mit einem Stein beschwert in den Fluß gleiten. Diese Praxis nutzt man hier auch für tote Kühe oder Hunde. Unsere Frage ob damit nicht das Wasser vergiftet wird, wurde mit dem Hinweis beantwortet das Wasser nicht zu trinken.
An den Badestellen am Fluß baden die Gläubigen, tauchen mehrfach komplett unter und trinken das heilige Wasser des Flusses. Sie nehmen es auch in Flaschen oder Kanistern mit heim. Nach dieser Reinigung ziehen sich die Menschen um, werden vom Priester am Fluß gegen eine Spende gesegnet und gehen in den Tempel, beten und spenden.
Am ersten Abend sahen wir die abendliche Feuer-Zeremonie der Priester am Ganges. Die Agentur hatte uns einen Platz auf einem Boot gebucht. Von da aus hatten wir gute Sicht. Vor der Hauptveranstaltung wurde Gästen, die sich einen VIP-Platz gekauft hatten, eine eigene kurze Zeremonie geboten.
Während der Veranstaltung kam nicht die geringste Stimmung auf. Vor dem Sonnenuntergang sah ich die Gesichter der Priester. Da war keine Spur von religiöser Leidenschaft. Während der gesamten Veranstaltung kamen und gingen die Zuschauer. Das Boot war ständig in Bewegung. Man konnte sich nicht auf die Show konzentrieren. Ich konnte meine Enttäuschung kaum in Worte fassen als der Guide uns wieder abgeholt hat und nach unseren Eindrücken fragte.
Wir hatten ohnehin als mittlerweile erfahrene Indienreisende schwer zu kämpfen auf dem Weg zum Ganges. Vom Parkplatz sind wir zu Fuss ca. 2,5 km Spiessrouten gelaufen. Bisher waren wir lebhaften, aber rücksichtsvollen Verkehr in Indien gewohnt. Hupen hieß bisher : Achtung - ich tue dir nichts. Will nur noch schnell überholen.
In Varanasi war alles anders. Hier agieren die Menschen völlig anders. Wenn man nicht aus dem Weg geht, kommt man unter die Räder. Selbst auf verstopften Wegen im Zentrum fahren Mopeds rücksichtslos z.T. mit hoher Geschwindigkeit durch die stark gefüllten Fussgänger-Bereiche.
Schon auf den ersten Metern fielen mir die Gesichter der Menschen auf. An ausnahmslos allen Orten bisher wurden wir freundlich angesehen und sehr oft mit einem Lächeln erfreut. Und hier - das ganze Gegenteil. Nicht einmal die junge Mitreisende erntete ein freundliches Gesicht. Sie wurde an den Tagen zuvor an jedem nur erdenklichen Ort um ein gemeinsames Foto gebeten. Das passierte hier nicht. Hier wurde sie tatsächlich herablassend angesehen. Der Guide erklärte uns dieses sonderbare Verhalten damit, dass wir mit unserer hellen Haut dem Feindbild aus der Kolonialzeit entsprechen. Danach sprach er darüber, dass es in Varanasi eine moslemische Moschee und einen Hindutempel in direkter Nachbarschaft gibt. Der neu gebaute Hindutempel für die riesigen Menschen an Pilgern ist mit einem hohen Zaun gesichert und von Bewaffneten bewacht. Das angespannte Verhältnis dieser beiden Gruppen wäre vor kurzem eskaliert. Bei einem Kricket-Spiel zwischen Pakistan und Indien gewannen die Inder. Das war dann Anlass für Ausschreitung gegen die indischen Spieler und innerhalb der Bevölkerung. Das machte uns sehr nachdenklich.
Sehr unangenehm waren die offen Gerinne direkt an den Häuserwänden. Die Straße endete nicht am Haus, sondern in einen kleinen Graben von vielleicht 25 cm Tiefe. Dort floß das Abwasser. Selbst am Tag nutzen viele Männer diese Gräben schamlos zu Urinieren. Der Gestank bei der Hitze war ekelhaft.
Handwerker mit Verkaufsstand
Die Praktiken der Verkäufer in den Handwerksbetrieben sind in der Pilgerstadt besonders ausgeprägt. Nach einer freundlichen Begrüßung bekommt man Erfrischungen angeboten. Das allein verpflichtet schon fast zu einem Einkauf. Man bekommt dann kurz die hohe Handwerkskunst gezeigt. Die Kunsthandwerker arbeiten aber nicht mal in der kurzen Vorstellung wirklich. Im Nachbarraum beginnt dann das eindringliche Verkaufsgespräch. Der Empfangsraum ist damit frei für die nächsten Besucher. In der Pilgerstadt gab es aber auch hierbei Besonderheiten. Im Raum standen bestimmt 10 grimmig dreinschauende Männer. Einer schloß die Tür und bewachte den Eingang. Das war meiner Begleiterin auch nicht entgangen und sie fühlte sich reichlich unwohl. Allein hätte sie zu ihrer Sicherheit etwas gekauft, um den Laden unversehrt verlassen zu können. Da sie nichts Ansprechendes fand, schmiedeten wir einen Plan, wie wir ohne große Gegenwehr aus dem Etablissement kommen. Der Plan gelang und bedurfte keiner Worte, den Wachmann von der Tür zu vertreiben. Ein entschlossener Blick genügte.
Essen in Varanasi
Die Gastronomie in Varanasi hatte auch so seine Tücken. Bisher wurden wir gefragt, womit man uns eine Freude machen kann. Auch hierbei war in Varanasi alles anders. Nach dem Start um 5 Uhr zum Sonnenaufgang gab es ein spätes Frühstück. Von den vorgesetzten Köstlichkeiten waren nur die Bananen genießbar. Viel zu viel Salz oder viel zu viel Zucken machten den Rest ungenießbar. Spannend war aber das Abendessen. Wir hatten dem deutschsprachigen Guide genau erklärt, welche lokalen Köstlichkeiten wir bevorzugen und welche Örtlichkeiten uns bisher gefallen haben. Möglicherweise war verstehendes Hören aber nicht seine Stärke. Unser Wunsch war es, zusammen mit unserem Fahrer ein kleines indischen Abendessen zu genießen. Der Fahrer hatte uns einige Tage mit einer Seelenruhe immer sicher und ruhig durch den dicksten Verkehr heil ans Ziel gebracht. Wir konnten uns auch die Klimaanlage selbst einstellen. Das war extrem wichtig für mich. Der selbstbewusste Reiseleiter empfahl ein Hotel in der Nähe mit mehreren Restaurants und mit einem Außenbereich. Dort angekommen wollte man unseren Fahrer gleich auf den Parkplatz schicken. Unseren Wunsch mit ihm zusammen zu essen nahm das Empfangskomitee nicht ernst. Wir haben dann den Bediensteten die Lange nochmal etwas nachdrücklicher erklärt. Nach einem Blick in die Karte und der Aussicht auf einen Platz im luftigen Bereich einer Terrasse gingen wir zusammen ins Hotel. Die Blicke der Bediensteten haben wir dann noch bis zum Eingang der Terrasse ertragen. Als man dort aber unseren Fahrer mit bösen Blicken ansah, tauschten wir kurz einen Blick und verabschiedeten uns. Interessant war die Reaktion des Empfangskomitees am Eingang. Die hatten unsere kleine Zeremonie beobachtet, bei der mir uns sehr herzlich bei unserem Fahrer für seine außergewöhnliche Leistung mit einem unüblich üppigen Trinkgeld bedankt hatten. Man wollte sich solche Goldesel dann doch nicht entgehen lassen und kam uns auf dem Weg zum Parkplatz nach. In unserer Kleinstgruppe stand aber der Entschluss fest.
Es war noch früh am Abend und wir waren optimistisch etwas Passendes zu finden. Das Netzwerk der Reiseagentur und das Fahrers hatten wir völlig unterschätzt. Schon vor dem Parkplatz traf unsere Fahrer einen Berufskollegen und bat ihn um Rat. Gleichzeitig telefonierte er auch schon mit und bekam auch da schnell Tips. Zu guten Letzt setzte sich der Freund des Fahrers zu uns ins Auto und geleitete uns zu einem ausgesprochen schönen lokalen Restaurant mit genau den lokalen Spezialitäten und dem Ambiente unserer Wünsche. Hier wurde unser Fahrer freundlich behandelt und hat mit uns zu Abend gegessen. Er mit den Fingern - wir mit Besteck. Diese Situation hatte unser Fahrer in seinen 18 Jahren Tätigkeit noch nicht erlebt. Ein wirklich schöner Abschluss für den schwierigen Aufenthalt in einer Pilgerstadt. Am nächsten Morgen brachte uns unser Freund zum Flughafen und war an diesem Morgen bester Laune. Er strahlte förmlich. Bei der überaus herzlichen Verabschiedung faste er sich Mut und bat uns um eine Kontakt-Telefonnummer. Die bekam er natürlich und das machte in überglücklich. Ein unvergesslicher Moment.
Wir hatten auf der Flugreise nach Rishikesh Zwischenstop in Delhi. Dort waren die Menschen wieder freundlich und lächelten.
Ashram in Rishikesh
Der erste Kontakt mit der neuen Unterkunft war schwierig. Das Niveau der Unterkunft ist noch eine Stufe unter der einer Jugendherberge. Unsere Zimmer waren weit voneinander entfernt. Das war sehr verwunderlich. Das Nachtlager war eine Schaumstoff-Matte auf einem Bettgestell mit Holzplatte. Zu Glück gab es vier Betten hier, auf denen für kalte Nächte jeweils eine dicke Decke bereitlag. Mit drei dieser Decken konnte ich eine Liegefläche einigermaßen präparieren. Die letzte Decke half dann gegen die nächtliche Kälte. Rishikesh liegt am Fuße des Himalaja. Die Berge sind hier aber noch mit Dschungel bewachsen. Hier leben jede Menge wilde Tiere wie Elefanten, Bären, Tiger, Kobras, Affen und Rotwild.
In den Ashram kommen Menschen, die Meditation oder Yaga lernen wollen. Die Stimmung ist sehr speziell. Es gibt eifrige Teilnehmer, die den Ausführungen der Lehrer sehr konzentriert folgen. Im Speiseraum lernten wir zuerst, dass dort nicht gesprochen werden darf. Zum Abendessen gab es Reis mit Gemüse und eine Banane. Dort ist auch ein Wasserspender. Nach dem Abendmahl kam ich nochmals zurück, um meine Wasserflasche zu füllen. Unerkannt hörte ich nun einen der Lehrer sehr laut mit einem anderen Mann reden. Nebenher lief auf dem Handy des Sünders ein lautes Video. Offenbar gelten die Regeln nicht für jeden.
Inakzeptabel allerdings war, dass meine Reisebegleiterin ihr Apartment mit einer anderen Frau teilen sollte. Das ging morgens um 5 Uhr vor der ersten Veranstaltung schon schief. Die fremde Dame belegte das Zimmer mit der Toilette (als Bad kann man es nicht bezeichnen) eine halbe Stunde. Das Reiseunternehmen hatte beim Buchen eine Bemerkung im Kleingedruckten übersehen. Sie konnten aber bewirken, dass die Reisebegleiterin ein Einzelzimmer bekam. Dabei sind momentan nur 8 Gäste hier. Es gibt ca. 50 kleine Bungalows mit je 4 Betten. Dazu kommen noch dutzende Zimmer in angrenzenden Objekten, die mich an ein amerikanisches Motel erinnerten.
Das Frühstück war wie zu erwarten ebenfalls sehr spartanisch. Sehr unangenehm war aber, dass Mitarbeiter direkt vor der Eingangstür ein Feuer gemacht hatten. Der Qualm im Speisesaal war keine Freude. Es nutze aber nichts, weil vor der Tür unter einem Baum die Grossküche ihren Platz hat. Drei Feuerstellen sind vorbereitet. Jeweils drei kleine Stapel aus Backsteinen halten den Topf. Dazwischen wird ein Holzfeuer entfacht.
Es gelang mir einfach nicht, hier eine Harmonie im Denken und Handeln zu finden. Man erklärte uns, das Anliegen der Gründer ist es, Körper und Geist der Menschen zu stärken. Besonders in den USA gibt es viele Außenstellen. Man lehrt Entspannungstechniken, richtiges Atmen, gesunde Ernährung und Bewegungstherapien.
Der Tagesablauf ist streng festgelegt. Morgens kurz von 5 Uhr ruft eine Glocke zum Morgengebet. Das wird in Hindi gehalten. Interessierte bekommen einen Ausdruck und können dann in dieser Sprache mitsingen. Tagsüber gibt es dann diverse Programmpunkte, Meditationspausen und natürlich Pausen für die Gastronomie. Das morgentlich Ritual hat mich sehr an eine Hypnose erinnert. Sowas habe ich mal im Fernsehen gesehen und der Ablauf war absolut identisch. Fast alle haben sich auf dieses Spiel eingelassen. Die Menschen hier werden von jeglicher Kommunikation abgeschlossen. Kein Internet, kein Telefon, keine Kommunikation im Speiseraum und räumliche Trennung von Reisenden. Wir haben hier zwei Tage gebucht und einen wachen Geist bewahrt. Ein normaler Aufenthalt dauert hier einen Monat.
Beim Beobachten der Lehrer und der Schüler musste ich unweigerlich einen Vergleich zu Sekten ziehen. Sehr kluge und psychologisch geschulte Geschäftsleute sind in der Lage, mit einem solchen Geschäftsmodell gewaltige Gewinne zu erzielen.
Mitten auf dem Gelände gibt es ein besonders prächtiges Haus mit drei Etagen. Der Zutritt ist leider verboten. Da hätte ich gerne einmal gestöbert und gelernt.
Im Bereich der Veranstaltungsräume hängen die Bilder der wichtigen Männer. Auffällig schien mir der sehr feminine Gesichtsausdruck und auch der besondere Ausdruck der Augen.
Neugierig habe ich das Verhalten der Menschen hier beobachtet. Die jungen Männer achten sehr auf ihr Äußeres und agieren beim Essen betont achtsam. Die jungen Damen der Gruppe werden ignoriert.
In mir entstand ein Verständnis, für welche Menschen dieser einsame Ort das Paradies bedeutet.
Wir mussten vor dem Verlassen des Objektes unsere Zimmer reinigen und den Müll entsorgen. Auch mal eine neue Erfahrung.
Dem japanischen Jünger habe ich dann beim Abschied doch noch ein breites Lächeln ins Gesicht gezaubert. Er hat mich nach meiner Herkunft gefragt. Ich habe ihm geantwortet und ergänzt, dass ich einige Städte in Japan besucht habe. Darüber hat sich dieser bisher stille Teilnehmer sehr gefreut.
Morgens nach dem Verlassen des Ashrams fragte uns der lokale Guide, ob uns der Aufenthalt gefallen hätte. Nachdem wir wenig Positives berichten konnten lachte er laut. Seine Erklärung war einleuchtend. Seiner Sicht nach gibt es zwei Möglichkeiten Yoga zu erlernen. Die 1:1 Variante mit Lehrer und einem Schüler kann die Bedürfnisse des Schülers genau analysieren und ein perfektes Erlebnis liefern. Die Gruppenvariante kann so etwas nie und hat nur ein Ziel. Er formuliert es so : it's all about the money.
Der Rest des Tages rettete aber das Andenken an den Ort. Ein Felsentempel auf einer Bergspitze an den Ausläufern des Himalaja auf ca. 1500 m Höhe war sehenswert. Dort fand gerade eine Hochzeitsfeiert statt. Das konnten wir kurz authentisch miterleben. Vor allem die Braut war prächtig gekleidet und trug viel Goldschmuck.
Der Ganges ist an diesem ersten größeren Ort noch sehr sauber. Auch hier baden die Gläubigen seit Jahrhunderten im ziemlich kalten Gebirgsfluss. In diesem Ort legt die Regierung großen Wert auf den Schutz der Umwelt. Es dürfen bei hohen Strafen keine ungeklärten Abwässer in den Fluss geleitet werden. Das ändert sich im Flusslauf später drastisch.
Haridwar
Am gleichen Tag reisten wir weiter zum wichtigsten, spirituellen Ort der Hindus. Ich war der irrigen Ansicht, das Varanasi diesen Titel trägt. Die allabendliche Feuerzeremonie hier ist mit dem enttäuschenden Touristenspektakel in Varanasi in keinster Weise zu vergleichen. Schon 2,5 Stunden vor dem Beginn der Veranstaltung saßen die ersten Gäste auf den Stufen am Fluss.
Die unüberschaubare Menge der Besucher der Zeremonie übertrafen die Anzahl der Besucher in Varanasi um das Vielfache. Die Menschen saßen im Schneidersitz über Stunden und genossen die Zeremonie. Es wurde wie schon in Vrindavan leidenschaftlich gesungen und Lebensfreude zelebriert. An einigen Stellen konnten wir nun schon ein wenig mitmachen. Ausländische Gäste sind mir nicht aufgefallen.
Der wilde Gebirgsfluss ist hier ein wirklich reißender Strom mit unglaublicher Kraft. Die Badestellen sind mit Geländern geschützt. Die Badenden müssen sich an kräftigen Ketten festhalten, um nicht vom Wasser fortgespült zu werden. Viele Gäste hatten auf den glitschigen Stufen schwer zu kämpfen.
Von einer Brücke aus konnten wir unter und am Ufer eine kleine Zeremonie beobachten. Ein Priester unterstützte eine Familie, von einem Verstorbenen Abschied zu nehmen. Am Ende öffnete der älteste männliche Nachkomme (das schreibt die Zeremonie vor) einen Beutel mit der Asche und einigen Knochen. Die wurden dann andächtig in die reißende Strömung entlassen.
Nochmal Delhi
Vor unsere Abreise in Delhi konnten wir noch den größten Tempel in Indien besuchen. Dieses Kunstwerk der Superlative war die Krönung an Handwerkskunst und künstlerischer Gestaltung für mich. Hier waren weder Fotoapparat noch Handy erlaubt. Am Eingang gab eine Security-Kontrolle wie im Flughafen. Der Guide erklärte uns, warum so streng kontrolliert wird. Hindus und Moslems leben fast immer friedlich zusammen. Es gibt aber im Islam eine extreme Gruppe, die radikal gegen ihre Mitmenschen vorgeht. Genau das ist lt. seines Berichtes schon oft vorgekommen.
Fazit
Der Hinduismus ist keine Religion - er ist eine Lebensweise. Das wurde uns hier mehrfach so gesagt.
Das Leben ist innerhalb der Kasten geregelt. Früher unterteilte man in vier Kasten. Jetzt gibt es einige Tausende dieser Volksgruppen. Das Leben innerhalb der Kasten gibt den Menschen Halt. Diese Netzwerke sind entfernt vergleichbar mit den Innungen bei uns.
Bisher widerstehen sie noch den Versuchungen der westlichen Welt.
Die Anzahl der Götter ist sehr groß und für Fremde nur schwer zu ergründen. Man beginnt langsam ein Umweltbewusstsein zu entwickeln. Der Müll und die Wasserverschmutzung sind große Probleme hier.
Faszinierend finde ich die Handwerkskunst der Steinmetze. Dieses Gewerbe wird hier sehr gepflegt und hält die alten Traditionen am Leben.
Der riesige Kontinent ist ein Erlebnis für alle, die das besondere Leben hier akzeptieren. Wenn man die Grundregel einer Reise in ein Land mit unklarer Wasserqualität beachtet (koch es, schäl' es oder vergiss' es), dann gibt es auch keinerlei Verdauungsprobleme.
Wir haben tolle Menschen kennengelernt, gute Gespräche geführt und viel gelernt.
Die Organisation der Reise durch Quality India Tours und TravelLocal war traumhaft gut. Alle Zwischenziele waren perfekt organisiert. Alle Transporte mit Bahnverbindungen und Inlandsflügen haben hervorragend funktioniert.
Erstmals ist ein Kontakt zu unserem besonderen Fahrer und zu einem der Reiseleiter erhalten geblieben. Sowas gab es auch noch nie.

















































